Juneau
EM 2012 - by Heidi Klum

Wer hätte das gedacht? Dass mein Mann märtyrerhafte Opferbereitschaft beim abendlichen Fernsehprogramm zeigen kann? Weder Leid noch Klagen bei Schnulz- und Kitschfilmen. Nicht mal beim Heidi Klum-Gepiepse und Model-Gezicke hat er auf lautlos gestellt. Ich war fasziniert. Äusserst fasziniert.

Bis ich dann die Rafinesse und das schamlose Kalkül hinter seiner Märtyrer-Fassade entschlüsselte. Denn...
Gestern waren es die Topmodels.
Heute ist es Fussball. Jeden Tag.

Und er darf es schauen.

Denn er hat ja auch die Heidi ertragen.
Sprachs und verbrachte seinen Lebtag mit Sportshows, Fussball-Experten-Talks, Vorrunden und den Finalserien.

Zweifellos müssen die Fernseh-Chef-Heinis der männliches Spezies angehören. Denn die tüfftelten geschickt am Plan erst monatelang östrogengeballtes Flower Power-Fernsehen zu senden, um dann den Männern dieser Erde das unumstössliche Recht einzuräumen jeden Tag Fussball gucken zu dürfen.

Gut, ich gebe zu. Die EM schaue ich ja auch ganz gerne. Aber nur wenn Länder spielen, zu denen ich wenigstens ferientechnisch ein Mindestmass an Bezug habe. Spanien olé olé!
Aber Experten-Talks haben für mich wenig mit Sonne, Strand und Meer zu tun.

Wäre doch Heidis Tonlage nicht ganz so nervenaufreibend gewesen, dann hätte ich bei meinem Mann nicht allzu viel wieder gut zu machen. Na ja...olé olé.

 

16.6.12 08:51


Wer keine Freunde hat, kauft sich welche

Kaum setzt man seinen ersten zaghaften Schritt in die unerforschte Mamawelt, scheint sich das soziale Netzwerk auf wundersame Weise auszudehnen.

Menschen, die man vorher nicht kannte. Neue Gesichter und Namen. Man erhält Post, Geschenke, Hausbesuche und natürlich Telefonanrufe. Unzählige.
Nur das diese Bekannschaften nicht unbedingt darauf aus sind dir Freundschaftsarmbändchen zu schenken. Höchstens zu verkaufen. Denn es sind Werbefritzen, Vertreter und Call-Agenten, die einen eigenen Kontinent zu besitzen scheinen, auf dem sie all ihre Produkte und Glückwunschkarten horten können.

Was Mama braucht. Unzählige Magazine. Von Kochrezepten bis zu Erziehungsratgebern. Atmungsaktive Mülleimer. ABC-Raupen und Bilderbücher mit integrierten Tiergeräuschen. Nicht zu vergessen: Krankenversicherungen. Besonders familienfreundliche nämlich. Orthopädische Schnuller und Kopfkissen. Und Pflegeprodukte. Für jeden Quadratzentimenter sanfter Babyhaut ein eigenes.

Wer glaubt Privatsender haben eine Werbungs-Überschuss, der sollte Mama werden.

Nun ja. Was die verkaufslustigen, selbsternannten Mama-Freunde nicht bedenken: Im Alltagstrott routinegelangweilter Hausfrauen, ist jede Abwechslung recht. Hach, schon wieder ein nettes Telefon. "Kaufen? Nää - aber hab ich ihnen schon erzählt welche Grimassen mein Baby beim Pupsen macht?"

Und so hat man kostenlos frischen Wind. Auch ohne teure atmungsaktive Windeleimer.

12.6.12 10:11


Mami...selle

Das sinnerfüllte, freudenreiche Leben einer Mami. Das erste Lächeln. Überschwängliches Glück. Die ersten Tränchen, die man tröstend aus dem knuffigen - wie aus dem eigenen geschnittenen - Gesichtlein wischen darf.

So hat man es beschrieben bekommen. Das Mamaleben. Von Mamas, die auf berüchtigten Spielplätzen und Krabbelgruppen meist nur herdenweise auftreten. Von Mamas, die statt Klatschzeitschriften oder sonstiger Bildungslektüre höchstens Elternratgeber lesen und auch über nichts anderes zu reden wissen, als Windeln, sanfte Babypopos und "och jöhchen wie süss, es hat einen Pups gemacht!". Von Mamas, die nicht mehr wissen was im Kino läuft. Dafür den Sendeplan von Super RTL auswendig kennen. Und von Mamas, die der Modewelt abgeschworen haben, weil teure Markenklamotten mit Babykotze eh nicht so gut kommen. Und die von langen, aufwendig gepflegten Haare nichts wissen wollen, seit ihre Kleinen mit Vorliebe an Strähnen ziehen.

Von Mamas, die man immer wieder belächelt hat - sie und ihre eigenartige kleine Welt - und sich insgeheim gesagt hat: "Ich werde bestimmt nicht so."
Nein, eins war klar: Hat man sich mal selbst in die Mamawelt verirrt, gelten eiserne Regeln wie Unabhängigkeit, Treue dem Stilbewusstsein und Offenheit für Allerweltsthemen, statt fokussierter Herzchenblick auf den eigenen Sprössling.

Ja, so dachte man sich das. Damals. Als man erhobenen Hauptes und mit würdevoller Distanz jenseits der Grenzen der Mamawelt wohnte. Bis man dann über die Barriere schritt und es selbst erlebte. Das erste Lächeln. Das, wie aus dem eigenen geschnittene Gesicht. Und eh man sich versah, bestand die eigene Haute Couture aus jenen Klamotten, die noch nicht nach Babys Mageninhalt rochen. Und trägt nun diese Haute Couture ebenso stolz, wie man über Babyleins Pupse ist.

An Aussprüche und Vorsätze von damals erinnert man sich höchstens dann erst wieder, wenn Noch-Nicht-Mamis jenseits der eigenen Grenzen davon fantasieren, wie ihr Leben aussehen wird, wenn es dann mal soweit ist. Und findet es ebenso amüsant, wie Babys Gesicht, wenn es mal wieder einen seiner - och jöhchen so süssen - Pupse macht.

Aber erfüllt man so auch viele der einst so ungeliebten Klischees, wenigstens ist man nundie eigenen Vorurteile los. Und findet sein Leben mindestens so beneidenswert, wie man es eigentlich davor auch fand.

25.5.12 11:30


The social not-work

Da  krempelt man doch anti-botox-mässig seine Stirn. Also ehrlich.
Wenn man sich da anguckt was die Facebook-Fritzen aus den guten alten Profilseiten gebastelt haben. Seufz.

Das schöne übersichtliche und unkomplizierte Stalken war einmal. Heute muss man sich durch komplizierte labyrintähnliche Beitragspuzzle wühlen, um zu sehen wer wem welchen Beitrag zuletzt, davor und danach, gepostet hat. Hö?

So macht das ganze echt keinen Spass mehr.

Kein Wunder rümpfen da mächtige Autofirmen und Investoren ihre Nase und kehren dem blauweissen Ungeheuer den Rücken. Der Börsengang, die Realität, lässt die blauweissen Seifenblasen der Analysten platzen. Tja. Meine auch. Die letzten blauweissen Flecken und Tupfer, welche zuletzt noch mein Herz bemalten - ja, sie verblassen allmählich. War Facebook früher spannend und diente dem Neugier- und Exhibitionismus-Trieb, so hat es heute - wenn's hoch kommt  vielleicht noch einen netten Retro-Touch, aber sonst...

Ach menno. Und jetzt? Hm.
Jetzt muss Google helfen.
Jawohl. Die letzte Hoffnung.

Ein stalker-freundliches Update von google-earth und die Tränchen über den Untergang des überschätzten Zuckerberges können versiegen.

Reality Earth. Das wär doch was. Big Google is watching you!
Ist eh viel lustiger den Menschen live zuzusehen, als es sich von Tagebucheinträgen in Statusform schildern zu lassen.

Go Google go!

23.5.12 09:56


Pff wie Fussball

Deutschland. Die Schweiz.
Bayern gegen Basel. Und ich mittendrin.
Als deutsche Halbschweizerin. Oder schweizerische Halbdeutsche? Oder irgendwie so etwas Verirrtes, das nur mit Diskretion die schwarzen Männlein und nur mit schlechtem Gewissen die roten anfeuern kann.
Verirrt - vielleicht ja dann doch ein Beweis für meine deutsche Herkunft - waren auch die schwarzen Männlein. Was gemischte Gefühle in mir auslöste.
Denn nebst der bunten - oder eher graugefärbten - Mischung aus Loyalität, Mitleid und Fremdscham, sorgten eben auch die Roten für einen Gefühlscocktail. Nämlich - aufgrund meines wildwachsenden Wurzelschlagens in der Heimat der roten Männlein - Gefühle von Stolz, Freude und Bewunderung.
Hm. Und jetzt?
Freude? Oder füll ich diesen Tag mit loyaler Niedergeschlagenheit?
Bleibt fast nur der Ausweg puren Desinteresses.
Was für ein Spiel?
Fussball?
Aha ja. Pff.
Wer schaut schon Fussball?

23.2.12 17:11


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