Juneau
Reden ist Silber...

Besuch bei der Grossmama. Wie man es sich vorstellt.

Eine verwaschene Schürze, Küche samt Utensilien aus Anno Achtzehnhundertirgendwas. Selbstgebackene Kekse und Brot. Und natürlich Gemüse aus Eigenanbau.

Das tönt heimelig und vor allem unkompliziert. Wenn man die Hausmannskekse genüsslich verzehrt und dabei ein nettes Schwätzchen hält. Tönt unkompliziert. Ist es aber nicht. 

Nebst der Tatsache, dass ich kaum die Hälfte verstehe - im Meer aus höchstgradig urchig berndeutschen Sprachgebrauch. Ebenfalls Anno Achtzehnhundertirgendwas. Also das würde ja noch gehen. 

Aber trotz Hörgerät ist Grossmama darauf angewiesen, dass man die ganze Gewalt seines Stimmvolumens bis aufs Äusserste strapaziert. Dabei ist es dann nur halb so schlimm, dass einem die Ohren von dem Gedröhne seiner Mitmenschen nur so wackeln. Wirklich verstörend und unangenehm ist der fragende und hilflose Blick der Grossmama, wenn ich lautstark vor mir her krächze. Sie versteht mich einfach nicht.

Es scheint, ich kann machen was ich will - so laut reden wie ich will. In ihren Ohren bleibt es ein leises Flüstern, das sie kaum vom Säuseln des Winds zu unterscheiden vermag. Noch lauter und ich würde zwangsweise zum Justin Bieber-Fantum konvertieren.

Mittlerweile habe ich Taktiken entwickelt. Und versuche die Konversation so zu lenken, dass ich nur mit Sätzen antworte, die auch in Gesten zu verpacken sind. Wie eine Erlösung sind ihre Ja-Nein-Fragen, die ich geschickt mit Kopfnicken oder -schütteln bewältigen kann.

Und auch ihre Kekse werden so nicht nur zum geschmacklichen Highlight. Denn mit vollem Mund spricht man ja bekanntlich nicht. Und so sind wir beide glücklich. Sie, weil mir ihre Kekse zu schmecken scheinen. Und ich, weil ich auf diese Weise - natürlich schweigend - geniessen kann.

29.6.12 11:34
 
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